Obstbrand von ungespritzten Hochstammbäumen
- Birgit Schüler
- 20. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Aus Tradition, Lust und Laune: Alle paar Jahre gönnen wir uns das Vergnügen, in unserer historischen Hausbrennerei unseren eigenen Obstbrand zu destillieren.

Da 2025 die Apfelbäume gut trugen und auch noch ausreichend Apfelsaft und Apfelmost in unserem Keller lagerten, bot sich uns die Gelegenheit, mal wieder "Obstler" zu brennen. Den Sommer und Frühherbst über sammelten wir Äpfel und Birnen von unseren ungespritzten Hochstammbäumen am Gaishof. Alles in Handarbeit, denn der steile Hang ist nicht mit Maschinen befahrbar.
Wie entsteht ein Obstbrand?
Vor dem Einmaischen wird das Obst gewaschen und im Muser zu einem groben Brei zerkleinert. Bis die Gärung durch ist, dauert es ein paar Monate und dann kann das Brennen beim Zoll angemeldet werden.
Unser Brenngeschirr stammt noch von meinem Urgroßvater, wurde Ende der 1920 Jahre angeschafft und damals fest im Brenn-, Wasch- und Backhaus vermauert. Es verfügt über eine 75-Liter-Brennblase mit doppelter Wandung, sodass die Maische schonend über einem Wasserbad erhitzt werden kann. Alles funktioniert manuell – die Befeuerung sowie auch das Befüllen und Ablassen des Brennkessels.

Alkoholgewinnung in drei Phasen
Im Gegensatz zu modernen Kolonnenbrennereien, wo die Destillation kontinuierlich und nahezu automatisch durchläuft, arbeiten wir mit unserem historisches Brenngeschirr diskontinuierlich. Erst wird in mehreren Durchgängen die Maische zum sogenannten „Rohbrand“ mit in unserem Fall 29 % Alkohol destilliert. Dabei trennen wir den hochprozentigen, methanolhaltigen Vorlauf vom guten Mittellauf, dem "Herz" der Destillation, ab.
Im zweiten Schritt wird dieser vom Mittellauf stammende Rohbrand dann zum „Feinbrand“ destilliert, um den Alkohol zu verstärken und gleichzeitig von unerwünschten Aromen und Fuselölen zu reinigen. So lassen sich besonders intensive Aromen gewinnen.
Dieses Mal gab es 15 Rohbrände und 2 Feinbrände – das waren 2 Tage Arbeit von 6 – 18 Uhr und 1 Tag von 7 bis 14 Uhr. Dann war der Feinbrand fertig, denn wir dann aber noch durch Zugabe von weichem Quellwasser auf Trinkstärke bringen mussten.

Wo gibt's Obstbrand?
Der fertige Obstbrand darf nun bis auf weiteres im großen Glasballon ruhen und noch weiterreifen. Ein kleiner Teil ist jedoch bereits auf Flaschen abgefüllt und steht bei uns am Gaishof zum Verkauf.















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